Freitag, 19.11.2021

W1: „Organisierte sexualisierte Gewalt – (Ausstiegs-)Hindernisse für Betroffene“

„Organisierte sexualisierte Gewalt – (Ausstiegs-)Hindernisse für Betroffene“

Im Workshop sollen zunächst die Daten des berta-Telefons vertieft diskutiert werden, wobei es die Möglichkeit eines Austausches unter den teilnehmenden Fachkräften bzgl. eigener Erfahrungen mit der Arbeit mit Betroffenen von ORG sowie Patient*innen mit Dissoziativer Identitätsstörung geben wird. Da die Existenz von ORG tlws. grundsätzlich in Frage gestellt und den Betroffenen auch aufgrund von Folgeerkrankungen wie etwa dissoziativen und komplexen posttraumatischen Symptomatiken nicht geglaubt wird, soll insbesondere die Thematik der False-Memory-Debatte aufgegriffen und vertieft werden.

Ziel des Workshops ist ein Austausch zu Erfahrungen und Fragen zum Thema mit dem Fokus darauf, welchen Hindernissen Betroffene begegnen und wie das Unterstützungssystem für Betroffene von ORG verbessert werden kann.

Prof. Dr. Jörg Fegert

W2: „Auswirkungen organisierter Gewalt auf die Psyche: Modelle und Störungsbilder“

„Auswirkungen organisierter Gewalt auf die Psyche: Modelle und Störungsbilder“

Die menschliche Psyche ist komplex und verfügt über vielfältige Schutzmechanismen, um schlimmste Erfahrungen zu bewältigen. Anhand von psychologischen Modellen sollen die Auswirkungen organisierter Gewalt auf das menschliche Erleben und Verhalten untersucht und praxisnah dargestellt werden. Über das modellhafte Verstehen hinaus soll der diagnostische Blick mittels Fallbeispiele nähergebracht bzw. geschärft werden. Frei nach dem Motto: „Man sieht nur das, was man kennt.“

Franka Mehnert

W3: „Organisierte Gewalt: Besser verstehen, „entzaubern“, freier leben!“

„Organisierte Gewalt: Besser verstehen, „entzaubern“, freier leben!“

Als Überlebende organisierter, ritueller Gewalt und als ausgebildete Fachfrauen mit jahrelanger Erfahrung in der Ausstiegsbegleitung möchten wir in diesem Workshop unser Wissen weitergeben. Vielleicht verwundert Sie das Wort „entzaubern“ in dem Titel des Workshops. Denn wo bitte ist bei diesem Thema etwas verzaubert? Wir wissen, dass die leidvolle Realität der Opfer alles andere als das ist. Aber wir wissen auch, dass besseres Verstehen und Hinterfragen sowie sich informieren und vernetzen, dass sich den Ausstieg trauen und sich nicht mehr so machtlos und ausgeliefert fühlen, sowie achtsames Hinsehen und auch Loslassen… nach und nach zu einem besseren und dann auch guten, freien Leben führen kann. Wir möchten in diesem Workshop mit Ihnen zusammen hinsehen, um besser zu verstehen und wir möchten Sie ermutigen, die vermeintlich allgegenwärtige Macht der Täter und der organisierten Gewalt ein wenig zu „entzaubern“.

Pauline Frei, Sabine Weber

W4: „Prävention sexualisierter Gewalt braucht ein Netz – und oft einen doppelten Boden“

„Prävention sexualisierter Gewalt braucht ein Netz – und oft einen doppelten Boden“

Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt zu schützen kann gelingen, wenn Eltern, sozial-pädagogische und gegebenenfalls therapeutische Fachkräfte, Mitarbeitende aus Polizei und Justiz zusammenarbeiten und sowohl für präventive Angebote, für Intervention, Therapie und die Aufarbeitung von Gewalt in Institutionen ausreichend personelle und materielle Ressourcen zur Verfügung stehen.

Im Workshop wird anhand von Fallskizzen ein lebensweltorientiertes Konzept für wirksame Prävention in einer Stadt entworfen.

Heike Mann (Shukura)

W5: „Erfahrungen in der sozialen Arbeit mit schwer traumatisierten Frauen in den Beratungsstellen und Schutzhäusern von SOLWODI“

„Erfahrungen in der sozialen Arbeit mit schwer traumatisierten Frauen in den Beratungsstellen und Schutzhäusern von SOLWODI“

SOLWODI – „SOLidarity with WOmen in DIstress“ (Solidarität mit Frauen in Not) arbeitet als NGO mit Migrantinnen, die Opfer von Menschenhandel, Zwangsprostitution, Zwangsheirat, häuslicher Gewalt und anderen Formen von Gewalt geworden sind. In Deutschland gibt es 19 SOLWODI Fachberatungsstellen und sieben Schutzwohnungen in sechs Bundesländern.

In der psychosozialen Begleitung, der aufenthaltsrechtlichen Beratung und insbesondere in der Situation der Beherbergung von Frauen und ihren Kindern in unseren Schutzhäusern erleben wir, wie die Traumatisierungen durch erfahrene Gewalt in alle Bereiche des neu aufzubauenden Lebens hineinreichen. Organisierte Gewalt haben unsere Klientinnen im Kontext von Menschenhandel und  Zwangsprostitution ebenso wie im Zusammenhang mit repressiven und frauenverachtenden Familien- und Clanstrukturen erfahren.

Der Workshop gibt einen Überblick über die Arbeit und das Angebot von SOLWODI und stellt an Hand von Fallbeispielen Möglichkeiten und Grenzen unserer Arbeit im Kontext der aktuellen Migrationspolitik dar.

Barbara Wellner (Solwodi Deutschland e.V.)

W6: „Organisierte Gewalt in politischen Unrechtsregimen am Beispiel der DDR“

„Organisierte Gewalt in politischen Unrechtsregimen am Beispiel der DDR“

Zwei politische Untersuchungsgefängnisse sowie Räume, in denen diejenigen agierten, die für politische Gewalt und Verfolgung in der DDR verantwortlich waren, umfasst die Gedenkstätte Bautzner Straße. In jedem der zuletzt 15 DDR-Bezirke gab es eine Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit. Der Einsatz für politische Veränderungen oder das Streben nach persönlicher Freiheit endete allzu oft in einem solchen Gefängnis. Der Haftalltag war von Verunsicherung, Isolation sowie Überwachung geprägt und bis zur Verurteilung bestimmten Verhöre durch die Untersuchungsabteilung der Staatssicherheit den Tagesablauf. Vorläufer dieses Repressionsinstruments der SED war der stalinistisch geprägte sowjetische Sicherheitsapparat, der in den Räumen der heutigen Gedenkstätte ebenfalls ein Untersuchungsgefängnis betrieb.

Bis heute zeigen sich Spuren der Haft bei politisch Verfolgten in Form von Ängsten, Schlafstörungen oder Flashbacks. Aber auch ohne eine Inhaftierung konnten kaum sichtbare „Zersetzungsmaßnahmen“ der Staatssicherheit gegen politisch missliebige Menschen ein Leben zerstören. Das reichte von Einschränkungen beruflicher Möglichkeiten über Telefon- und Postkontrolle bis zum Einsatz von Spitzeln im persönlichen Umfeld oder offensichtlicher Überwachung als Drohkulisse. Welche Spuren zeichnen sich bis heute in die Biografien und wie gehen die Betroffenen damit um?

Uljana Sieber (Gedenkstätte Bautzner Straße)

W7: „Psychophysische Manipulation im Kontext organisierter ritueller Gewalt erkennen und verstehen. Aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung“

„Psychophysische Manipulation im Kontext organisierter ritueller Gewalt erkennen und verstehen. Aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung“

Organisierte rituelle Gewalt nutzt Techniken der Psychophysischen Manipulation (PPM). Diese beinhalten u. a. die absichtsvoll erzeugte DIS (a. e. DIS). Entsprechende Persönlichkeitsanteile werden konditioniert und zu Dissoziativen Konditionierungsketten (DKKs) strukturiert. Solche Manipulationen führen bei manchen Betroffenen zu Auffälligkeiten. Dieser Workshop bietet einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand empirischer Untersuchungen zur a. e. DIS, den Techniken und Folgen der PPM sowie den Möglichkeiten, dies bei Betroffenen zu erkennen.

Referentinnen: Noa Thalbach (Psychologie, B. sc.) und Franziska Heinemann (Psychologie, B. sc.) setzten sich in ihren Abschlussarbeiten wissenschaftlich mit dem Thema: Psychophysische Manipulation im Kontext Organisierter Ritueller Gewalt – Techniken, Folgen und darauf abgestimmte Psychotherapie auseinander. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden in dem Workshop vorgestellt.

Noa Thalbach, Franziska Heinemann

W8: „Aus der Rolle fallen, um aus der Falle zu rollen“

„Aus der Rolle fallen, um aus der Falle zu rollen“

Die Begegnung der Menschen, die in Gewaltkontexten sozialisiert wurden, und deren Begleitung beim Ausstieg ist eine große Herausforderung. Unser eigenes Glaubenssystem und Annahmen über die Welt werden erschüttert. Die Bereitschaft, blinde Flecken in der Weltanschauung zu erkennen, ermöglicht erst Wahrnehmung jenseits des Vorstellbaren und die Entwicklung einer Haltung und Sprachfähigkeit dazu. Das sind wertvolle Fähigkeiten für die Arbeit mit Menschen aus rituellen Gewaltkontexten. Doch was hilft um hilfreich zu sein? Im Workshop werden alltagspraktische Lernerfahrungen vorgestellt. Die Suche nach kreativen Ansätzen, um Menschen aus dem Bann ritueller Glaubenssätze zu lösen, erfordert eine Erweiterung des Möglichkeitsraumes und ein Handeln über den gewöhnlichen Behandlungsrahmen hinaus. Ausgehend von der Vorstellung, dass Tätersysteme gut organisiert sind, ist eine bessere Vernetzung der Helfersysteme und der Betroffenen ein wirkungsvolles und ermutigendes Instrument zu Veränderung, wozu dieser Workshop anregen und beitragen möchte.

Dr. Gregor Mennicken

W9: „Rituelle Gewalt im Kontext nigerianischer Menschenhandel – Hintergründe und Anregungen für den Umgang mit spiritueller Abhängigkeit“

„Rituelle Gewalt im Kontext nigerianischer Menschenhandel – Hintergründe und Anregungen für den Umgang mit spiritueller Abhängigkeit“

Im Workshop erhalten Sie eine kurze Einführung zum nigerianischen Menschenhandel und Einblicke in die Bedeutung von Spiritualität und Religion in Nigeria.

Woher kommt es, dass Juju (die traditionelle Religion in Nigeria) für die meisten Menschen so wichtig und alltäglich ist? Was bedeutet der traditionelle Juju-Schwur? Und wie können Menschenhandelsnetzwerke ihre Opfer mit diesem Schwur in spirituelle Abhängigkeit bringen?

Oftmals fällt es den Betroffenen schwer, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Viele haben auch Jahre nach der Flucht aus dem Menschenhandel Angst vor den Folgen des geleisteten Juju-Schwurs.

Mit Beispielen aus der psychosozialen Beratungspraxis im Fraueninformationszentrum FIZ Stuttgart und Videoclips geben wir Anregungen zum Umgang mit spiritueller Abhängigkeit in der Beratung.

Wir möchten Sie sprachfähig machen und verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten aufzeigen, die für Therapie und Beratung hilfreich sein können.

Claudia Robbe (FIZ)

Samstag, 20.11.2021

W10: „Recherche und Bewertung von Fällen Ritueller Gewalt“

„Recherche und Bewertung von Fällen Ritueller Gewalt“

„Das muss doch an die Öffentlichkeit“, ist ein häufiger Impuls, wenn Menschen von Ritueller Gewalt berichten. Was ist die richtige Stelle – Polizei oder Presse? Und wann? Tageszeitung oder Fernsehen? Wie nimmt man Kontakt auf? Wie werden Recherchen laufen? Was ist zu bedenken, was ist im Vorfeld zu klären? Im Workshop erklärt Claudia Fischer, wie sie und andere Journalist.innen arbeiten und welche Grenzen es gibt. Im Workshop können – unter Beachtung von Schweigepflichten und Vermeidung von Gewalt-Details – auch anonymisierte Einzelfälle exemplarisch besprochen werden.

Claudia Fischer

W11: „Stationäre Konzepte zur Behandlung von Opfern organisierter und ritueller Gewalt in der Klinik am Waldschlößchen Dresden “

„Stationäre Konzepte zur Behandlung von Opfern organisierter und ritueller Gewalt in der Klinik am Waldschlößchen Dresden “

In der Klinik am Waldschlösschen arbeiten wir seit mehr als 10 Jahren mit einem spezifisch zugeschnittenen Konzept mit Betroffenen organisierter und ritueller Gewalt und begleiten diese Menschen durch die dunkelsten Kapitel ihres Lebens. Wir versuchen eine Brücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung zu schlagen, immer wieder kommen wir dabei jedoch an unsere Grenzen und an die des Systems, wenn es darum geht, Betroffenen in der Herstellung äußerer Sicherheit und dem Aufbau eines stabilen Helfernetzwerkes zu unterstützen. In diesem Workshop möchten wir über unsere Erfahrungen in der Arbeit mit betroffenen Menschen, die Möglichkeiten und die Hindernisse sprechen, die uns sowohl innerhalb, als auch außerhalb des stationären Settings begegnen.

Vor allem geht es uns darum, wie wir instanzenübergreifend für eine bessere Versorgung von Betroffenen organisierter und ritueller Gewalt sorgen können. Dafür möchten wir unsere Erfahrungen mit der interdisziplinären Arbeit in unserer Klinik mit Ihnen teilen.

Linda Koos

W12: „Licht ins Dunkel“

„Licht ins Dunkel“

Im moderierten Workshop stellt Felicitas Lukas* sich für vertiefende Fragen zu einzelnen Aspekten ihres Vortrags zur Verfügung. Außerdem soll es Gelegenheit für Gespräch und Austausch geben. Denn Wissen und Erfahrungen miteinander zu teilen, die Realität organisierter, ritueller Gewalt in Deutschland transparenter zu machen, kann helfen, möglichst viel „Licht ins Dunkel“ dieses weitgehend verborgenen Bereiches unserer Gesellschaft zu bringen.

Felicitas Lukas (Betroffene)

W13: „Niedrigschwellige Unterstützungs- und Beratungsangebote für Betroffene ritueller Gewalt“

„Niedrigschwellige Unterstützungs- und Beratungsangebote für Betroffene ritueller Gewalt“

Die Vereinsarbeit von KARO e.V. gilt schwerpunktmäßig dem Kampf gegen Zwangsprostitution, sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel. Daraus resultieren Projekte zum Schutz, zur Unterstützung sowie psychologischen, medizinischen und sozialen Beratung Betroffener von Gewalt aller Art.  KARO e.V. unterhält eine Beratungsstelle in Plauen und eine Kontaktstelle Marita P. in Cheb (Tschechische Republik). Das Projekt Rituelle Gewalt beinhaltet ein traumasensibles Beratungsangebot für Menschen, die aufgrund systematischer psychischer, physischer und sexueller Gewalt und Folter unter komplexen Traumatisierungen leiden. Der 2017 gegründeten Arbeitskreis Rituelle Gewalt vernetzt eine Vielzahl von ÄrztInnen, TherapeutInnen, Behörden und Hilfseinrichtungen in Sachsen und darüber hinaus miteinander.

Im Workshop stellen wir unsere Erfahrung in der Arbeit mit Betroffenen in der Schutzeinrichtung und Beratungsstelle vor und möchten uns über unterschiedliche Ansätze austauschen: Wie kann innere und äußere Sicherheit hergestellt werden, um eine Stabilisierung zu erreichen? Welche traumapädagogischen Ansätze nutzen wir? Bundesweit fehlt es an spezialisierten ambulanten oder (teil-)stationären Wohnangeboten, die sich der Zielgruppe öffnen: Woran liegt das und was braucht es um eine traumasensible Versorgung anbieten zu können?

Anne Ditscherlein, Cathrin Schauer-Kelpin (Karo e.V.)

W14: „Beratung und Perspektiventwicklung für Betroffene ritueller Gewalt im Spiegel bundesweiter Kooperation verschiedener Akteure“

„Beratung und Perspektiventwicklung für Betroffene ritueller Gewalt im Spiegel bundesweiter Kooperation verschiedener Akteure“

Im Fokus des Workshops steht die praktische (Zusammen-)Arbeit mit Betroffenen ritueller Gewalt. Anhand von Fallbeispielen werden Herausforderungen wie Programmierungen und dissoziative Störungen, Ängste und Bedrohungskontexte, oder auch der innere und äußere Ausstieg ergründet. Zudem wird die Unterstützungslandschaft für Betroffene vorgestellt, vor allem im Hinblick auf die bundesweite Zusammenarbeit verschiedener Unterstützungsangebote.

Ziel ist, die Möglichkeiten der Begleitung durch interdisziplinäre Helfer*innennetzwerke kennenzulernen, sowie Sicherheit in Bezug auf die eigene Rolle als Helfende*r zu gewinnen.

Ulrike Richter (Kobranet), Lena Darpel (ZORA)

W15: „Organisierte Gewalt in politischen Unrechtsregimen am Beispiel der DDR“

„Organisierte Gewalt in politischen Unrechtsregimen am Beispiel der DDR“

Zwei politische Untersuchungsgefängnisse sowie Räume, in denen diejenigen agierten, die für politische Gewalt und Verfolgung in der DDR verantwortlich waren, umfasst die Gedenkstätte Bautzner Straße. In jedem der zuletzt 15 DDR-Bezirke gab es eine Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit. Der Einsatz für politische Veränderung oder das Streben nach persönlicher Freiheit endete allzu oft in einem solchen Gefängnis. Der Haftalltag war von Verunsicherung, Isolation sowie Überwachung geprägt und bis zur Verurteilung bestimmten Verhöre durch die Untersuchungsabteilung der Staatssicherheit den Tagesablauf. Vorläufer dieses Repressionsinstruments der SED war der stalinistisch geprägte sowjetische Sicherheitsapparat, der in den Räumen der heutigen Gedenkstätte ebenfalls ein Untersuchungsgefängnis betrieb.

Bis heute zeigen sich Spuren der Haft bei politisch Verfolgten in Form von Ängsten, Schlafstörungen oder Flashbacks. Aber auch ohne eine Inhaftierung konnten kaum sichtbare „Zersetzungsmaßnahmen“ der Staatssicherheit gegen politisch missliebige Menschen ein Leben zerstören. Das reichte von Einschränkungen beruflicher Möglichkeiten über Telefon- und Postkontrolle bis zum Einsatz von Spitzeln im persönlichen Umfeld oder offensichtlicher Überwachung als Drohkulisse. Welche Spuren zeichnen sich bis heute in die Biografien und wie gehen die Betroffenen damit um?

Uljana Sieber (Gedenkstätte Bautzner Straße)

W16: „Psychophysische Manipulation im Kontext organisierter ritueller Gewalt erkennen und verstehen. Aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung“

„Psychophysische Manipulation im Kontext organisierter ritueller Gewalt erkennen und verstehen. Aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung“

Organisierte rituelle Gewalt nutzt Techniken der Psychophysischen Manipulation (PPM). Diese beinhalten u. a. die absichtsvoll erzeugte DIS (a. e. DIS). Entsprechende Persönlichkeitsanteile werden konditioniert und zu Dissoziativen Konditionierungsketten (DKKs) strukturiert. Solche Manipulationen führen bei manchen Betroffenen zu Auffälligkeiten. Dieser Workshop bietet einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand empirischer Untersuchungen zur a. e. DIS, den Techniken und Folgen der PPM sowie den Möglichkeiten, dies bei Betroffenen zu erkennen.

Die Referentinnen  setzten sich in ihren Abschlussarbeiten wissenschaftlich mit dem Thema: Psychophysische Manipulation im Kontext Organisierter Ritueller Gewalt – Techniken, Folgen und darauf abgestimmte Psychotherapie auseinander. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden in dem Workshop vorgestellt.

Noa Thalbach, Franziska Heinemann

W17: „Aus der Rolle fallen, um aus der Falle zu rollen“

„Aus der Rolle fallen, um aus der Falle zu rollen“

Die Begegnung der Menschen, die in Gewaltkontexten sozialisiert wurden, und deren Begleitung beim Ausstieg ist eine große Herausforderung. Unser eigenes Glaubenssystem und Annahmen über die Welt werden erschüttert. Die Bereitschaft, blinde Flecken in der Weltanschauung zu erkennen, ermöglicht erst Wahrnehmung jenseits des Vorstellbaren und die Entwicklung einer Haltung und Sprachfähigkeit dazu. Das sind wertvolle Fähigkeiten für die Arbeit mit Menschen aus rituellen Gewaltkontexten. Doch was hilft, um hilfreich zu sein? Im Workshop werden alltagspraktische Lernerfahrungen vorgestellt. Die Suche nach kreativen Ansätzen, um Menschen aus dem Bann ritueller Glaubenssätze zu lösen, erfordert eine Erweiterung des Möglichkeitsraumes und ein Handeln über den gewöhnlichen Behandlungsrahmen hinaus. Ausgehend von der Vorstellung, dass Tätersysteme gut organisiert sind, ist eine bessere Vernetzung der Helfersysteme und der Betroffenen ein wirkungsvolles und ermutigendes Instrument zu Veränderung, wozu dieser Workshop anregen und beitragen möchte.

Dr. Gregor Mennicken

W18: „Rituelle Gewalt im Kontext nigerianischer Menschenhandel – Hintergründe und Anregungen für den Umgang mit spiritueller Abhängigkeit

„Rituelle Gewalt im Kontext nigerianischer Menschenhandel – Hintergründe und Anregungen für den Umgang mit spiritueller Abhängigkeit

Im Workshop erhalten Sie eine kurze Einführung zum nigerianischen Menschenhandel und Einblicke in die Bedeutung von Spiritualität und Religion in Nigeria.

Woher kommt es, dass Juju (die traditionelle Religion in Nigeria) für die meisten Menschen so wichtig und alltäglich ist? Was bedeutet der traditionelle Juju-Schwur? Und wie können Menschenhandelsnetzwerke ihre Opfer mit diesem Schwur in spirituelle Abhängigkeit bringen?

Oftmals fällt es den Betroffenen schwer, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Viele haben auch Jahre nach der Flucht aus dem Menschenhandel Angst vor den Folgen des geleisteten Juju-Schwurs.

Mit Beispielen aus der psychosozialen Beratungspraxis im Fraueninformationszentrum FIZ Stuttgart und Videoclips geben wir Anregungen zum Umgang mit spiritueller Abhängigkeit in der Beratung.

Wir möchten Sie sprachfähig machen und verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten aufzeigen, die für Therapie und Beratung hilfreich sein können.

Claudia Robbe (FIZ)


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