Freitag, 19.11.2021

UhrzeitProgrammpunkt
ab 8.00 UhrEinlass, Anmeldung, Schnelltestung
9.00 – 9.15 UhrKlaus Dilcher:
Begrüßung
9.20 – 9.40 Uhr

Dr. Gesine Märtens:

„Das sächsische Hilfesystem für Betroffene sexualisierter Gewalt im Kontext der Istanbul-Konvention: Binnenperspektiven und Fernsichten“

 

9.45 – 10.25 Uhr

Martina Rudolph:

„Gespaltene Persönlichkeiten, geteilte Welten – traumatherapeutische Überlegungen zu einer gesamtgesellschaftspolitischen Verantwortung“

Ausgehend von einer langjährigen traumatherapeutischen Erfahrung mit Opfern und Betroffenen von organisierter Gewalt werden in dem Vortrag Überlegungen zusammengetragen und dargestellt, wie es sein kann, dass solch machtvolle Strukturen mit solch destruktiver Energie sich so ungehindert inmitten einer aufgeklärten liberalen Gesellschaft ausbreiten und erhalten können. Fragen werden aufgeworfen, die an unsere demokratischen Institutionen und Systeme gerichtet sind, die sich aber jedermann und jede Frau auch selbst stellen können.

10.30 – 11.00 UhrPause
11.00 – 11.40 Uhr

Prof. Dr. Jörg Fegert:

„Organisierte sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche – ein wichtiges Thema und die Berührungsängste im Umgang damit“

Die Präsenz und Problematik von organisierter sexualisierter Gewalt ist nicht erst seit den aktuellen Fällen in Bergisch-Gladbach, Lügde, Münster sowie der Darknet-Plattform Elysium bekannt, seitdem jedoch vermehrt im gesellschaftlichen und politischen Fokus. Hohe Aufrufaufkommen innerhalb des ersten Jahres des 2019 eingerichteten berta-Telefons, einer Anlaufstelle für Betroffene von organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt (ORG), weisen auf Unterstützungs- und Mitteilungsbedarfe auf Seiten Betroffener hin. Aus den Gesprächen geht hervor, dass anrufende Betroffene zum Großteil auf der Suche nach Entlastung sind, da sie häufig keine Unterstützung vor Ort sowie keine Therapeut*innen finden, die sich mit der spezifischen Thematik auseinandersetzen können oder möchten. Zudem berichten Betroffene, dass sie bei Behörden etwa nicht ernst genommen und ihnen nicht geglaubt wird. Auch wird beschrieben, dass es zu wenig Unterstützung beim Ausstieg aus dem Missbrauchssystem gibt.

11.45 – 12.25 Uhr

Stefan Gerlach:

„Einblicke in die kriminalpolizeiliche Arbeit im Bereich der Kinder- und Jugendpornografie sowie daraus erwachsenden Folgen“

Die Fallzahlen im Bereich der Kinder- und Jugendpornografie steigen in den letzten Jahren stetig an und stellen die Strafverfolgungsbehörden sowohl inhaltlich und technisch, als auch personell vor besondere Herausforderungen.

Anhand von Praxisbeispielen und Einblicken in die kriminalpolizeiliche Arbeit soll deutlich gemacht werden, welche Möglichkeiten und Grenzen bei der Tataufklärung bestehen und welche unmittelbaren Folgen diese mit sich bringen. Hierbei wird nicht nur auf die Täter- und Opferseite eingegangen, sondern auch auf möglicherweise entstehende Folgen beim Ermittlungspersonal.

Erläuterungen über die typische Entstehung von Kinder- und Jugendpornografie sowie deren Kategorisierung/ rechtliche Einordnung, Beschaffungswege, Tätertypologie sowie Hell-/ Dunkelfeld stellen den sachlichen Teil des Vortrags dar.

Die Schilderung eigener Erfahrungen aus dem Bereich der Bekämpfung von Kinder- und Jugendpornografie sowie Menschenhandel/ Prostitution und damit einhergehend der Umgang mit vorherrschendem Scham, Verdrängung und Verleugnung werden unter Umständen betroffen machen – Gleiches gilt für gezeigtes Bildmaterial, welches zum Schutz der Teilnehmer*innen kaschiert wird.

12.30 – 13.00 UhrMittagspause
13.30 – 14.10 Uhr
Elgin Bröhmer

„Organisierte Kriminalität und (Komplex-)Traumatisierung aus Sicht der Strafjustiz“

Therapeuten und Helfer erfahren im Umgang mit Betroffenen von organisierter Kriminalität regelmäßig ein kaum vorstellbares Ausmaß an physischer und psychischer Gewalt. Einige der Berichte von Betroffenen ähneln sich außerdem inhaltlich, oder aber es zeigen sich bei Inter- oder Supervisionsgesprächen Parallelen der geschilderten Gewalterfahrungen oder der Vorgehensweisen der Täter.

Mit diesem Hintergrundwissen und –verständnis können einige Ergebnisse von Ermittlungs- oder Gerichtsverfahren und/ oder einige Urteile nicht nachvollziehbar erscheinen.

Wie kommt es also in bestimmten Fällen zu so unterschiedlichen Erfahrungen? Was „sieht“ und „beurteilt“ die Justiz und warum?

Der Vortrag soll beleuchten, wie Strafjuristen mit organisierter Kriminalität umgehen, was sie darunter verstehen, was dort an Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung steht und wo die Grenzen sind.

14.15 – 14.30 UhrPause
14.30 – 16.00 UhrWorkshops
17.00 – 18.30 UhrOptional: Führung Gedenkstätte Bautzner Straße
19.30 UhrAbendessen Sophienkeller (unter Vorbehalt der dann gültigen Hygienebestimmungen):
Buffett (kostenpflichtig) Bezahlung vorab an die Klinik.

Samstag, 20.11.2021

UhrzeitProgrammpunkt
ab 8.00 UhrEinlass, Anmeldung, Schnelltestung
9.00 – 9.40 Uhr

Felicitas Lukas (Betroffene):

„Die im Dunkeln sieht man nicht – Ein Erfahrungsbericht“

Felicitas Lukas* ist selbst in Strukturen organisierter, ritualisierter Gewalt aufgewachsen. In ihrem Vortrag gibt sie Einblicke in ihr Leben – einer Kindheit und Jugend in einem Elternhaus mit frommer, gut bürgerlicher äußerlicher Fassade einerseits und einem von der Außenwelt verborgenen Familienleben voller Lieblosigkeit, Angst und Gewalt.

Durch ihren Vater, der einer pädophilen Gruppierung mit kultisch geprägter germano-faschistischer Ideologie angehörte, wurde sie diesem Kult schon als Kleinkind ausgeliefert und überlebte massive sexuelle, psychische und physische Gewalterfahrungen.

Die Referentin berichtet über ihren jahrelangen vergeblichen Kampf, dem Zugriff des Kultes zu entkommen und wie es ihr schließlich gelang, sich Schritt für Schritt aus der Gewalt der Täter zu befreien. Auch eigene Schlussfolgerungen, warum und wie solche Gruppierungen quasi über Generationen hinweg unentdeckt agieren können, sollen zur Sprache kommen.

9.45 – 10.25 Uhr

Dr. Susanne Nick:

„Organisierte und Rituelle Gewalt in Deutschland – Ergebnisse aus Befragungen von Betroffenen und psychosozialen Fachpersonen“

Bisher gibt es national und international nur wenige Studien zu Organisierter und Ritueller Gewalt. Die Kontexte dieser Gewaltform, das Vorkommen, die psychischen Folgen, Erfahrungen im Gesundheitssystem sowie spezifische Bedürfnisse aus Sicht von Betroffenen und Fachpersonen sind wissenschaftlich bisher kaum erfasst. In diesem Vortrag werden zentrale Ergebnisse aus einem – unterdessen abgeschlossenen – dreijährigen Forschungsprojekt in Deutschland vorgestellt und im Zusammenhang mit aktuellen Entwicklungen diskutiert.

Die Forschung erfolgte mit finanzieller Förderung durch die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs – UKASK (Projektteam Prof. Peer Briken, Prof. Hertha Richter-Appelt, Dr. Johanna Schröder, Dr. Susanne Nick).

10.30 – 11.00 UhrPause
11.00 – 11.40 Uhr

Claudia Fischer:

„Wir wissen mehr als wir zu wissen glauben – Vier Jahre Infoportal „Rituelle Gewalt“ “

„Das muss doch an die Öffentlichkeit“, ist ein häufiger Impuls, wenn Menschen von Ritueller Gewalt berichten. Was ist die richtige Stelle – Polizei oder Presse? Und wann? Tageszeitung oder Fernsehen? Wie nimmt man Kontakt auf? Wie werden Recherchen laufen? Was ist zu bedenken, was ist im Vorfeld zu klären? Auf diese Fragen wird im Vortrag eingegangen werden.

11.45 – 12.25 Uhr

Leni Breymaier:

„Es geht nicht um Moral, es geht um Menschenrechte“

Seit der Liberalisierung im Dezember 2001 wurde Prostitution in Deutschland salonfähig. Damals hatte der Gesetzgeber die selbstbestimmte, unabhängige, Steuern zahlende, sozialversicherte Prostituierte vor Augen. Ein gut gemeinter Ansatz. Leider krachend gescheitert.

Das deutsche Rotlichtmilieu ist fest in der Hand international agierender organisierter Kriminalität. In der Prostitution herrschen eigene Gesetze, eigene Richter, eigene Vollstrecker. Die Frauen haben kaum Zugänge zu unseren Hilfesystemen, sind nicht krankenversichert, sie wissen oft nicht, in welcher Stadt sie sich gerade befinden. Tatsächlich handelt es sich um ein Milliardengeschäft zu Lasten der Frauen: 15 Milliarden Euro, so Schätzungen, verdient die Rotlichtbranche in Deutschland durchschnittlich pro Jahr. Das ist fast ein Drittel des Investitionsvolumens des Bundeshaushalts 2020, schrieb die Stuttgarter Zeitung am 2. April 2019. Wir regen uns zu Recht über jede Gewalt an Frauen und Mädchen auf. Warum endet die Empörung, sobald dafür bezahlt wird?

Was macht das mit dem Frauenbild in dieser Gesellschaft. Es geht mir um die Frauen (und auch Männer), die ausgebeutet, benutzt, gedemütigt, geschlagen, vergewaltigt, traumatisiert werden. Es geht mir auch um unsere Gesellschaft. Wenn jeder Mann quasi überall für dreißig Euro und weniger mit einer Frau machen kann, was er will, welches Frauenbild hat, welches Frauenbild entwickelt er?

Diesen gesellschaftlichen Diskurs will ich führen.

Was genau ist das sogenannte Nordische Modell eigentlich und ist dieser Umgang mit Prostitution eine Lösung für Deutschland und wenn ja, warum?

12.30 – 13.30 UhrMittagspause
13.30 – 15.00 UhrWorkshops
15.00 – 15.15 UhrPause
15.15 – 16.15 UhrPodiumsdiskussion mit den Referent*innen
16.45 UhrEnde des Symposiums

Programm

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